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Risikoeinstellung und Risikowahrnehmung bei Unternehmern im Kernobstbau

Risikoeinstellung und Risikowahrnehmung bei Unternehmern im Kernobstbau

Leitung:  ZBG
Team:  Maren Röhrig
Jahr:  2012
Förderung:  BMBF (WeGa-Kompetenznetz Gartenbau)
Laufzeit:  November 2012 – August 2015
Ist abgeschlossen:  ja

Erzeugung und Absatz von Gartenbauprodukten sind durch Witterungseinflüsse und Preisvolatilität mit Unsicherheit behaftet. Im Rahmen eines WeGa-Projektes werden daher das Risikoverhalten von Kernobstproduzenten untersucht und ein Entscheidungshilfemodell entwickelt. In diesem Beitrag wird das zugrunde liegende Konzept zur Messung von Risikoeinstellung und Risikowahrnehmung bei den Entscheidern im deutschen Kernobstbau vorgestellt, das die persönliche Befragung von 200 Obstproduzenten in zwei Anbauregionen vorsieht.

Eine Vielzahl von Untersuchungen zeigt, dass Landwirte tendenziell risikoavers eingestellt sind. Die vorliegende Untersuchung soll prüfen, wie weit dies auch auf deutsche Kernobstproduzenten übertragbar ist. Einerseits wird die Selbsteinschätzung auf einer Likert-Skala abgefragt. Diese einfach anzuwendende Methode wird u. a. bei größeren Panel-Befragungen eingesetzt. Andererseits wird ein hypothetisches Experiment in Form von Holt & Laury Lotterien (HLL) durchgeführt. Dabei soll zusätzlich festgestellt werden, ob die bei der Eckel und Grossman-Lotterie beobachteten Framing- und Payoff-Effekte auch bei der HLL auftreten. Dazu werden Lotterien mit geringen Auszahlungshöhen und solche mit Bezug zu Erfolgskennzahlen des Unternehmens integriert.

Während Entscheidungen auf Basis des wahrgenommenen Risikos getroffen werden, bezieht eine Vielzahl von Risikosimulationen lediglich historische Daten in die Analyse ein, die nicht zwangsläufig die beste Vorhersage für die Zukunft darstellen, wenn neue Gegebenheiten eintreten. Daher wird hier die Risikowahrnehmung von den Entscheidern direkt erfragt. Verzerrungen, die z. B. aus der Verfügbarkeitsheuristik resultieren, sind dabei durch die Fragetechnik zu minimieren. So sollen sich die Entscheider zunächst die Erfahrungen aus den weiter zurückliegenden Jahren ins Gedächtnis rufen, um den Eindruck der jüngst eingetretenen Ereignisse zu relativieren. Erst daran anschließend wird die Einschätzung der künftigen Verteilung der relevanten stochastischen Variablen erfragt.

Die bisher unterstellte Unabhängigkeit von Risikowahrnehmung und Risikoeinstellung wird durch jüngere Forschungsergebnisse, die eine signifikante, positive Korrelation konstatieren, in Frage gestellt. Dieser Zusammenhang soll daher auch für die hier ermittelten Daten überprüft werden, bevor sie als Grundlage für die Analyse von Anbauoptionen verwendet werden. Zur Berücksichtigung der stochastischen Abhängigkeit zwischen Ertrags- und Preisvariablen für verschiedene Sorten und Anbausysteme wird der Historische-Daten-Ansatz genutzt. Weiterführend wird ein Portfoliomodell für die Ableitung von Handlungsempfehlungen entwickelt.